Neue Kampagne gegen Flüssiggas im Korallendreieck lanciert
Der Amazonas der Meere in Gefahr
Das Korallendreieck (Coral Triangle) ist ein Meeresgebiet das sich von den Salomon Inseln im Osten über die Nordküste Neuguineas bis zu den Philippinen im Norden erstreckt.
Das Gebiet wird oft als „Amazonas der Meere“ bezeichnet, denn man findet dort eine der höchsten Biodiversitätsraten der Welt. Hier leben rund 76 Prozent aller bekannten Korallenarten und 37 Prozent aller Riff-Fischarten. Mangrovenwälder, Seegraswiesen, Korallenriffe, Meeressäuger, Schildkröten und unzählige Fischarten bilden ein Ökosystem von globaler Bedeutung.
Rund 360 Millionen Menschen in der Region sind direkt oder indirekt von diesen Meeren abhängig für Nahrung, Einkommen, Küstenschutz und kulturelle Identität. Doch das Gebiet und seine Bewohner sind akut bedroht.




Flüssiggas: eine Gefahr für Natur, Menschen und Klima
Bereits heute befinden sich LNG-Terminals und fossile Infrastruktur im Korallendreieck.
- 19 LNG-Terminals sind in Betrieb, 15 davon sind in der Nähe kritischer Lebensräume.
- Die geplanten und aktuellen Fördergebiete überschneiden sich mit Zehntausenden Quadratkilometern an Meeresschutzgebieten.
- Die aktuellen Pläne führen zu mehr als 30 geplanten LNG-Projekten in der Region. 16 % des Korallendreiecks sind direkt davon betroffen
- Wenn diese Pläne wie geplant voranschreiten, wird das Korallendreieck in einer Wirtschaft auf Basis fossiler Brennstoffe gefangen sein die mit dem Pariser Abkommen unvereinbar ist.
- Geplante Projekte könnten die Abhängigkeit der Region von fossiler Energie über Jahrzehnte zementieren obwohl Südostasien grosses Potential für erneuerbare Energien hat.
LNG-Infrastruktur bringt mehr Schiffsverkehr, Baggerarbeiten, Küstenverbauung, Lärm, Abwasser und Verschmutzung mit sich. Das gefährdet Meeressäuger, Fischbestände, Korallenriffe und Seegraswiesen. Besonders problematisch ist dies, weil diese Ökosysteme nicht nur Lebensraum sind, sondern auch natürliche Schutzschilde: Korallenriffe mindern Tsunamis, Mangroven dämpfen Sturmfluten und schützen Küstengemeinden vor Überschwemmungen.
Für die Menschen vor Ort ist LNG-Ausbau eine massive Bedrohung. Fischereigemeinschaften können den Zugang zu traditionellen Fanggebieten verlieren. Indigene Gemeinschaften berichten immer wieder von fehlender Mitsprache und mangelnder Einhaltung des Rechts auf freie, vorherige und informierte Zustimmung (FPIC). Hinzu kommen Gesundheitsrisiken durch Luftverschmutzung, Lärm, Industrieunfälle und Schadstoffe.
Auch für das Klima ist LNG nicht die saubere Übergangslösung, als die es oft verkauft wird. LNG besteht hauptsächlich aus Methan, das mehr als 80-mal so klimaschädlich ist wie CO₂. Aufgrund energieintensiver Produktion und Lieferketten kann LNG über seinen Lebenszyklus sogar klimaschädlicher sein als Kohle.
Versicherer spielen eine Schlüsselrolle
Fossile Grossprojekte können ohne Versicherung nicht gebaut oder betrieben werden. Ausserdem sind Versicherungsunternehmen oft auch Investoren solcher Projekte. Damit entscheiden sie mit, ob und wo neue LNG-Infrastruktur möglich wird.
Aktuell ist unklar, welche Schweizer Versicherungsunternehmen in LNG-Projekte im Korallendreieck involviert sind. Klar ist aber: sie sind bereits an anderen Orten wegen LNG unter Druck. Recherchen an der US-Golfküste zeigen, dass unter anderem Swiss Re und Zurich Insurance in LNG-Projekte wie Cameron LNG involviert sind.



Gemeinsam mit einem internationalen Bündnis aus verschiedenen NGOs fordern wir daher von Versicherern und Rückversicherern global:
- Schaffung einer verbindlichen No-Go-Zone für fossile Gasprojekte im Korallendreieck.
- Dies gilt für Versicherung, Rückversicherung und Investitionen, entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von Gasförderung über Pipelines und LNG-Terminals bis zu Gaskraftwerken und Transport.
- Ausschuss fossiler Gasprojekte in besonders schützenswerten Gebieten weltweit.
- Dazu gehören UNESCO-Welterbestätten, Meeresschutzgebiete, Schlüsselgebiete für Biodiversität und andere ökologisch oder kulturell bedeutende Lebensräume.
- Sicherstellung der Einhaltung von Menschenrechten und Selbstbestimmung indigener Gemeinschaften. Ohne echte Zustimmung betroffener Gemeinschaften darf es keine Versicherung und keine Investitionen geben.
Unsere Risikoanalyse und Forderungen im Detail
Unser ausführliches Risk Briefing in Englisch, das die Probleme von Flüssiggas und dessen Auswirkung auf Klima, Biodiversität und Menschenrechte sowie die implizierten wirtschaftlichen und finanziellen Risiken im Detail analysiert, kannst du dir hier anschauen:
Unsere Forderungen, die wir an Versicherungsunternehmen weltweit geschickt haben, findest du hier:
Diese Kampagne ist Teil unserer Klimakampagnen. Danke, dass du sie mit einer Spende unterstützt, damit wir uns auch weiterhin für Klimagerechtigkeit einsetzen können!
Quellen:
- Insure Our Future, Campax (2026): Insurance Risk Briefing. LNG Expansion in the Coral Triangle Biodiversity Hotspot
- Insure Our Future (2026): Detailed Coral Triangle advocacy demands to (re)insurers