Hohe Mieten, fette Renditen
Drei wohnpolitische Initiativen wurden im Kanton Zürich abgelehnt, zwei Gegenvorschläge angenommen. Auf nationaler Ebene stimmen wir wahrscheinlich nächstes Jahr über die Mietpreis-Initiative ab. Unsere Community-Umfrage unter rund 4’800 Menschen zeigt deutlich: Die Unzufriedenheit mit hohen Mieten ist gross. Und viele erwarten, dass der Staat endlich stärker Verantwortung übernimmt.
Inhaltsverzeichnis
Die Wohnungsfrage ist nicht gelöst
Die Abstimmungen im Kanton Zürich sind vorbei. Auf dem Zürcher Wohnungsmarkt hat sich gar nichts verändert.
Bereits einen Tag nach den Abstimmungen berichtete SRF über ein besonders krasses Beispiel: Eine Dreizimmerwohnung im Zürcher Seefeld wurde nach einem Mieterwechsel für 1’732 Franken mehr pro Monat ausgeschrieben. Das entspricht einer Erhöhung um 77 Prozent. (1)
Dieser Fall ist extrem. Er steht aber sinnbildlich für einen Wohnungsmarkt, der für Wohnungssuchende so angespannt ist wie seit 2014 nicht mehr. Besonders Haushalte mit wenig Geld finden kaum noch eine bezahlbare Wohnung. Die hohen Preise im Raum Zürich verdrängen die Nachfrage zunehmend in angrenzende Regionen. (2)
Die eigene Miete ist bezahlbar, solange man nicht umziehen muss
Viele Mieter*innen in unserer Umfrage schätzten ihre eigene Miete als mittel oder sogar eher niedrig ein. Gleichzeitig hielten Eigentümer*innen die Mietpreise in der Schweiz für deutlich zu hoch. Das ist kein Widerspruch.
97 Prozent der befragten Eigentümer*innen halten die Mietpreise für hoch oder sehr hoch.
Campax Umfrage
In den Rückmeldungen aus unserer Community wurde immer wieder dieselbe Erklärung genannt: Viele leben seit Jahren in derselben Wohnung oder sind Teil einer Genossenschaft und bezahlen deshalb noch eine vergleichsweise günstige Miete. Mehrere schrieben uns, sie wüssten, dass sie Glück gehabt hätten. Würden sie heute umziehen, könnten sie sich eine vergleichbare Wohnung kaum noch leisten.
Auch eine aktuelle Studie der Zürcher Kantonalbank bestätigt dieses Bild. Sie spricht vom sogenannten «Verweilbonus». Wer lange in derselben Wohnung lebt, bezahlt häufig deutlich weniger als bei einem Umzug. Für eine vergleichbare Wohnung müssen Mieter*innen schweizweit durchschnittlich rund 20 Prozent mehr bezahlen, in Zürich sogar etwa ein Drittel. (3)
Die eigene Wohnung mag für einige also noch bezahlbar sein. Der heutige Wohnungsmarkt ist es für viele nicht mehr. Wer eine grössere Wohnung braucht, sich trennt, eine Familie gründet oder aus beruflichen Gründen umziehen muss, wird plötzlich mit Preisen konfrontiert, die kaum tragbar sind.
Das führt dazu, dass Menschen nicht unbedingt dort wohnen bleiben, wo es für ihr Leben sinnvoll ist, sondern dort, wo sie sich die Miete noch leisten können.
Fast alle wollen, dass der Staat hinschaut
Die Rückmeldungen aus unserer Community sind eindeutig: 95,6 Prozent der Befragten finden, dass der Staat die Einhaltung der Kostenmiete aktiv prüfen sollte. 65,5 Prozent sprechen sich sogar für eine strikte Kontrolle aus.
Auch bei der Kostenmiete bleibt Wohnen ein Geschäft mit einem Grundbedürfnis. Doch der Mietzins richtet sich stärker nach den tatsächlichen Kosten und weniger danach, was sich aus der Wohnungsnot maximal herausholen lässt.
Für unsere Community ist klar: Regeln, die niemand kontrolliert, schützen Mieter*innen kaum. Der Staat muss deshalb nicht nur Vorgaben machen, sondern auch dafür sorgen, dass sie eingehalten werden.
Ein Recht, das viele nicht nutzen
Mieter*innen können einen missbräuchlich hohen Anfangsmietzins anfechten. In unserer Umfrage geben 82,1 Prozent an, das noch nie getan zu haben. Nur 12,8 Prozent hatten sich bereits gewehrt. Weitere 5,1 Prozent wussten nicht einmal, dass diese Möglichkeit besteht.
Das geltende Recht verlangt, dass Mieter*innen innerhalb von 30 Tagen nach der Übernahme der Wohnung aktiv werden.
Doch wer nach langer Suche endlich eine Wohnung gefunden hat, überlegt sich zweimal, ob er gleich nach dem Einzug einen Streit mit der Verwaltung beginnen will. Ein Mietrechtsanwalt erklärte gegenüber SRF, viele Mieter*innen hätten Angst, es sich mit ihrer Vermieterschaft zu verscherzen. Insgesamt werde der Rechtsweg deshalb nur selten genutzt. (4)
Ein Recht, das viele nicht kennen oder aus Angst vor einem Konflikt nicht nutzen, reicht nicht aus. Faire Mieten dürfen nicht davon abhängen, ob einzelne Menschen genügend Wissen, Zeit und Mut haben, sich allein zu wehren.
Ein Nein zu den Zürcher Initiativen ist kein Ja zu immer höheren Mieten
Die Zürcher Stimmbevölkerung hat drei konkrete Initiativen abgelehnt. Sie hat aber nicht für weitere Mietsteigerungen, Verdrängung und jahrelanges Warten auf eine Wohnung gestimmt. Bei zwei Vorlagen wurden Gegenvorschläge angenommen. Daraus folgt ein politischer Auftrag.
Der Gegenvorschlag zur Wohnungsinitiative gibt dem Regierungsrat drei Jahre Zeit, um konkrete Massnahmen für mehr Wohnraum zu prüfen und die erforderlichen Gesetzesänderungen vorzulegen. Drei Jahre dürfen aber keine bequeme Warteschlaufe werden.
Unsere Umfrage zeigt, wie gross der Handlungsdruck ist. Die Menschen sehen die hohen Mieten. Sie wissen, wie schwierig ein Umzug geworden ist. Und sie wollen, dass der Staat mehr tut, als die Verantwortung auf einzelne Mieter*innen abzuwälzen.
Deswegen unterstützen wir die Mietpreis-Initiative, die fordert, dass regelmässige Kontrollen der Kostenmiete eingeführt werden. Damit werden Immobilienfirmen in die Verantwortung genommen und missbräuchlich hohe Mieten besser verhindert.
Hilf uns, den Widerstand gegen die Immolobby zu stärken
Für uns ist klar: Wir bleiben dran. Bezahlbares Wohnen ist kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis. Wehren wir uns gemeinsam Schritt für Schritt gegen die Wohnkrise – auch dort, wo die aktuelle Politik versagt.
Begriffe kurz erklärt
Manche politischen Begriffe sind nicht alltäglich. Hier erklären wir kurz, was sie in diesem Beitrag bedeuten.
Kostenmiete: Hier beziehen sich Mietpreise auf die tatsächlichen Kosten, die bei der Vermietung anfallen, um die Wohnung instand zu halten. Die Kostenmiete steht im Gegensatz zur Marktmiete, wo Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen.
Mietpreisinitiative: Die Initiative vom Mieter*innenverband fordert, dass Mieten wieder aktiv auf Missbrauch überprüft werden mithilfe von Kontrollen. Damit wird die Verantwortung, die momentan auf Mieter*innen abgewälzt wird, wieder vom Staat
Quellen:
Umfrageergebnisse “Wohn-Umfrage” von Campax mit 4815 Teilnehmenden
1) SRF: «Mietpreisexplosion in Zürich: Dreizimmerwohnung kostet plötzlich über 1700 Franken mehr», 15. Juni 2026.
2) SRF: «Wohnungsknappheit: Hohe Mieten im Raum Zürich, Nachfrage im Umland steigt», 18. März 2026.
3) SRF: «Schweizer Wohnungsmarkt: Langzeitmieter sparen, doch auch Neumieterinnen profitieren», 20. Mai 2026.
4) SRF, Kassensturz: «Wohnungsnot: Hoher Mietzins wird selten angefochten», 18. April 2023.