Hoffnung entsteht, wenn wir gemeinsam handeln
Gesellschaftliche Rückschritte, politische Krisen und Angriffe auf längst erkämpfte Rechte können mutlos machen. Gerade in solchen Zeiten stellt sich die Frage: Wie bewahren wir unsere Hoffnung, ohne die Realität aus den Augen zu verlieren? Und wie schaffen wir es, trotz aller Widrigkeiten gemeinsam handlungsfähig zu bleiben? Denn Hoffnung bedeutet nicht unbedingt, daran zu glauben, dass alles gut wird. Sie kann auch bedeuten, daran festzuhalten, dass Veränderung möglich ist.
Mit diesen Fragen beschäftigten wir uns am 1. Oktober beim «Runden Tisch der Hoffnung» im Quartierzentrum Bäckeranlage in Zürich. Mit 62 Teilnehmenden und insgesamt fast 70 Menschen im Raum bildete der Abend den lebendigen Abschluss unserer Veranstaltungsreihe «Gemeinsam Widerstand gegen den Backlash aufbauen». Nach mehreren Monaten voller Diskussionen, Webinare und Workshops wollten wir gemeinsam nach vorne schauen: Was gibt uns Mut und wie können wir diesen Mut in gemeinsames Handeln übersetzen?
Inhaltsverzeichnis
Fünf Perspektiven auf die Hoffnung
Aus historischer Perspektive eröffnete Jakob Tanner, emeritierter Geschichtsprofessor der Universität Zürich, den Abend. Anhand politischer Beispiele und philosophischer Überlegungen, unter anderem von Antonio Gramsci und Ernst Bloch, beleuchtete er das Verhältnis zwischen Hoffnung und gesellschaftlicher Veränderung. Dabei stand eine wichtige Unterscheidung im Zentrum: Hoffnung ist nicht mit blindem Optimismus gleichzusetzen. Sie verlangt vielmehr, die Gegenwart kritisch zu betrachten und gleichzeitig zu erkennen, dass die Zukunft nicht bereits festgeschrieben ist.
Die Historikerin Lena Joos von der Universität Bern richtete den Blick auf feministische Zukunftsvorstellungen. Was wäre, wenn Feminismus eines Tages gar nicht mehr nötig wäre? Mit dieser Frage verdeutlichte sie, wie wichtig Utopien für gesellschaftliche Veränderungen sind. In ihrer Forschung beschäftigt sie sich mit internationalen feministischen Bewegungen, darunter dem philippinischen Frauenbündnis GABRIELA. Solche Bewegungen zeigen, wie Menschen trotz unterschiedlicher Interessen und schwieriger politischer Bedingungen solidarische Strukturen aufbauen und gemeinsam für gesellschaftliche Alternativen kämpfen können.
Stephanie Karrer, Psychologin und Kinder- und Jugendpsychotherapeutin, näherte sich dem Thema aus psychologischer Sicht. Sie beschäftigte sich mit der Frage, was Hoffnung für uns Menschen bedeutet und wie wir selbst in schwierigen Situationen neue Möglichkeiten erkennen können. Hoffnung kann dabei auch eine Form des Trotzes sein: die Weigerung, sich mit den bestehenden Verhältnissen abzufinden oder eine schlechte Zukunft als unausweichlich hinzunehmen.
Wie Hoffnung in der politischen Praxis entsteht, zeigte Jen Buchli aus dem Campaigning-Team von Campax. Anhand konkreter Kampagnenerfolge, inspirierender Aktionen und Rückmeldungen aus unserer Community wurde sichtbar, wie viel Kraft gemeinsames Engagement geben kann. Denn neben sichtbaren politischen Erfolgen sind es oft auch die Begegnungen mit engagierten Menschen und die gegenseitige Unterstützung, die uns motivieren, selbst bei Rückschlägen weiterzumachen.
Durch den Abend führte Ondine Riesen, Vorstandsmitglied von Campax und Mitgründerin von Ting. Auch sie brachte eigene Erfahrungen ein und stellte Ting als praktisches Beispiel solidarischen Handelns vor. In dieser Gemeinschaft legen Menschen Geld zusammen, um anderen neue Handlungsspielräume zu ermöglichen. Das Beispiel zeigte, wie Menschen selbst Alternativen schaffen können, wenn politische Veränderungen auf sich warten lassen. Aus gemeinsamem Handeln können Vertrauen, neue Möglichkeiten und schliesslich auch Hoffnung entstehen.
Ein Abend voller Begegnungen
Besonders schön war für uns jedoch nicht nur, was auf der Bühne geschah, sondern vor allem das Miteinander im Raum. Die Teilnehmenden stellten Fragen, brachten eigene Gedanken ein, diskutierten angeregt und tauschten Erfahrungen aus. Menschen, die sich zuvor nicht kannten, kamen miteinander ins Gespräch, tauschten Kontaktdaten aus und knüpften neue Verbindungen.
Genau das möchten wir mit solchen Veranstaltungen erreichen. Gerade in Zeiten, in denen gesellschaftliche Entwicklungen oft entmutigend wirken, brauchen wir Räume, in denen Menschen zusammenkommen, einander zuhören, sich vernetzen und gegenseitig bestärken können.
Umso schöner war es, bereits vor Ort so viele positive Rückmeldungen zu erhalten. Wir blicken dankbar auf einen bereichernden Abend und einen gelungenen Abschluss unserer Veranstaltungsreihe zurück. Ein herzliches Dankeschön an alle Mitwirkenden und Teilnehmenden, die diesen Austausch möglich gemacht haben!









Genau das möchten wir mit solchen Veranstaltungen erreichen. In Zeiten, in denen gesellschaftliche Entwicklungen oft entmutigend wirken, brauchen wir Räume, in denen Menschen zusammenkommen, einander zuhören, sich vernetzen und gegenseitig bestärken können. Denn wir müssen den gesellschaftlichen Herausforderungen nicht alleine begegnen.
Umso schöner war es, bereits vor Ort so viele positive Rückmeldungen zu erhalten. Wir blicken dankbar auf einen bereichernden Abend und einen gelungenen Abschluss unserer Veranstaltungsreihe zurück. Ein herzliches Dankeschön an alle Mitwirkenden und Teilnehmenden, die diesen Austausch möglich gemacht haben. Wir freuen uns darauf, gemeinsam weiterzumachen!
Hoffnung bewahren und selbst aktiv werden
Was nehmen wir aus diesem Abend mit? Vor allem die Erkenntnis, dass wir gesellschaftlichen Entwicklungen nicht machtlos gegenüberstehen. Wir müssen nicht darauf hoffen, dass sich alles von selbst zum Besseren wendet, sondern können unsere Gesellschaft selbst mitgestalten. Dabei muss politisches Engagement nicht für alle gleich aussehen: An einer Demonstration teilnehmen, eine Petition starten, eine Organisation unterstützen oder mit Nachbar*innen über politische Themen diskutieren. Jede Person hat unterschiedliche Möglichkeiten, etwas zu bewegen.
Gleichzeitig ist es wichtig, die eigenen Kapazitäten und Grenzen zu kennen. Genau das zeigte auch unsere abschliessende Post-it-Sammlung, bei der die Teilnehmenden festhielten, was ihnen persönlich hilft, Hoffnung zu bewahren. Die Antworten waren so vielfältig wie die Menschen im Raum: Manche schöpfen Kraft aus Meditation, Spaziergängen in der Natur, einem unterstützenden Umfeld oder daraus, ihren Gefühlen Raum zu geben. Andere finden Hoffnung gerade im politischen Engagement, in gemeinsamen Aktionen oder darin, gesellschaftliche Erfolge zu feiern.
Beides gehört zusammen. Wer sich für gesellschaftliche Veränderungen einsetzt, braucht auch Momente, um neue Kraft zu schöpfen. Niemand muss alles tun oder ständig aktiv sein, um einen Beitrag zu leisten.
Vielleicht war das die wichtigste Botschaft unseres Abends: Wir können nicht alle Herausforderungen alleine lösen. Aber wir haben Handlungsmöglichkeiten, können uns gegenseitig unterstützen und gemeinsam etwas verändern. Die Zukunft ist nicht festgeschrieben. Und wir sind nicht machtlos.
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