Frauenhäuser müssen besser finanziert werden!
Geschlechtsspezifische Gewalt ist kein Randthema, es kann wortwörtlich um Leben oder Tod gehen.
Auch dieses Jahr wurden bereits 9 Frauen getötet – und die Politik bewegt sich nur schleppend voran.
Viele Massnahmen sind “Kantonssache”, das heisst soviel wie: Jeder Kanton macht etwas anderes, von genügend bis miserabel. Und genau dort setzen wir an!
Inhaltsverzeichnis
Was bisher geschah
In der Schweiz hat jede zweite Frau ab 16 Jahren bereits einmal sexualisierte Gewalt erlebt, fast die Hälfte aller Frauen gab zudem an, bereits einmal Gewalt in der Partnerschaft erfahren zu haben.
2025 war in Bezug auf geschlechtsbezogene Gewalt erschreckend brutal. 29 Feminizide zählte die freiwillige Organisation StopFemizid bis Ende des Jahres, die höchste Zahl an Tötungsdelikten seit deren Erhebung.
Wir starteten gemeinsam mit Brava und den SP Frauen eine Petition und forderten mehr Geld für die Sicherheit der Frauen in der Schweiz.
Der Kampf um 1 zusätzliche Million
Im Dezember lehnte der Nationalrat eine zusätzliche Million für die Umsetzung der Istanbul Konvention ab. In einem Gesamtbudget von mehr als 90 Milliarden war das ein Schlag ins Gesicht für Betroffene von geschlechtsspezifischer Gewalt. Dagegen wehrten wir uns mit einer Mailaktion, eine SP-Petition sammelte innerhalb kürzester Zeit eine halbe Million Unterschriften und in Bern gab es eine spontane Demo.
Der Druck wirkte: Die zusätzliche Million wurde gesprochen, hinterliess aber einen bitteren Nachgeschmack. Denn auch hier wurde einmal mehr klar, dass geschlechtsspezifische Gewalt nicht ernst genommen wird.
Wer Frauen schützen will, muss handeln, und das heisst eben auch, eine genügende Finanzierung von Massnahmen sicherzustellen. Denn ob Opferhilfe, Täterarbeit, Prävention oder Frauenhäuser – es fehlt überall an Geld.
Kantonale Kampagnen
Der Bundesrat vertröstet oft mit den Worten “das ist Kantonssache”. Also setzen wir da an, bei den Kantonen und zwar bei der Finanzierung der Frauenhäuser.
Graubünden
Im Kanton Graubünden gibt es ein Frauenhaus, das finanziell okay aufgestellt ist. Allerdings gibt es für Betroffene im Kanton Hürden. Der flächenmässig grösste Kanton der Schweiz ist geografisch verwinkelt und eine Person aus dem Val Müstair findet nicht so einfach den Weg nach Chur.
Deshalb braucht es unbedingt zusätzliche Schutzorte wie Wohnungen, die im Kanton verteilt sind und die Zugänglichkeit für die abgelegenen Täler gewährleisten.
Weil diese immer bereitstehen müssen, braucht es eine Finanzierung, die nicht nur Tagespauschalen für Betroffene abdeckt, sondern auch die Fixkosten für solche Schutzwohnungen.
Tessin
Im Tessin gibt es zwei Frauenhäuser, die vom Kanton unterstützt werden. Allerdings ist das Tessin einer der wenigen Kantone, in denen die Finanzierung der Frauenhäuser zu einem sehr grossen Teil noch von Stiftungen, Privaten und Spender*innen abhängig ist.
Das verursacht Druck, denn Mitarbeitende können sich nicht nur um Betroffene kümmern, sondern müssen auch für Fundraising sorgen.
Damit sich Mitarbeitende in Frauenhäusern ganz auf ihre Betreuungs- und Unterstützungsarbeit konzentrieren können, braucht es eine kantonale Finanzierung, die Fixkosten zu einem grossen Teil mit abdeckt, wie es der Kanton Zürich beispielsweise vormacht.
Damit wird gewährleistet, dass genügend Schutzplätze angeboten werden können und die Frauenhäuser nicht gewinnorientiert sind.
Romandie
Auch in den französischsprachigen Kantonen gibt es Handlungsbedarf: Im Kanton Genf ist die Finanzierung zwar eher stabil, aber das Frauenhaus ist oft ausgelastet, Notlösungen wie Hotelzimmer müssen kurzfristig finanziert werden.
Fribourg weist ebenfalls eine ausgewogene Finanzierung dar, die vor kurzem erst verbessert wurde, es fehlt aber an Prävention und spezifische Unterstützung von Kindern.
Der Kanton Jura ist der einzige französischsprachige Kanton ohne eigenes Frauenhaus. Er hat sogenannte Leistungsverträge mit anderen Kantonen und Betroffene finden in Bern oder Neuchâtel Platz.
Im Waadt, Wallis und Neuchâtel ist die Finanzierung mittelmässig bis schwach: Oft ist die Finanzierung durch den Kanton nur minimal, was wiederum für die Frauenhäuser bedeutet, dass sie je nach Auslastung besser oder schlechter finanziert werden.
Wir sind in der Abklärung, wo wir dort am besten unterstützen können.
Wichtig ist:
Für Betroffene sind Frauenhäuser wichtige Schutzplätze, die im ersten Moment Schutz bieten und bei Anschlusslösungen unterstützen. In der ganzen Schweiz ist die Auslastung allerdings hoch und in vielen Kantonen ist die Finanzierung nur dürftig geregelt, das heisst Frauenhäuser sind auf Spenden und Stiftungen angewiesen.
Deswegen setzen wir uns in einem ersten Schritt dafür ein, dass die kantonale Finanzierung in drei Kantonen stabilisiert und verbessert wird.
Danke für deine Unterstützung dieser Kampagne! ❤️