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Campax

Frauenhäuser müssen besser finanziert werden!

Geschlechtsspezifische Gewalt ist kein Randthema, es kann wortwörtlich um Leben oder Tod gehen.

 

Auch dieses Jahr wurden bereits 17 Frauen getötet  (1) – und die Politik bewegt sich nur schleppend voran.

 

Viele Massnahmen sind “Kantonssache”, das heisst soviel wie: Jeder Kanton macht etwas anderes, von genügend bis miserabel. Und genau dort setzen wir an!

Inhaltsverzeichnis

Was bisher geschah

In der Schweiz hat jede zweite Frau ab 16 Jahren bereits einmal sexualisierte Gewalt erlebt, (2) fast die Hälfte aller Frauen gab zudem an, bereits einmal Gewalt in der Partnerschaft erfahren zu haben. (3)

 

 

2025 war in Bezug auf geschlechtsbezogene Gewalt erschreckend brutal. 29 Feminizide zählte die freiwillige Organisation StopFemizid bis Ende des Jahres, die höchste Zahl an Tötungsdelikten seit deren Erhebung. (1)

Wir starteten gemeinsam mit Brava und den SP Frauen und mehr als 90 unterstützenden Organisationen eine Petition und forderten mehr Geld für die Sicherheit der Frauen in der Schweiz.

Petitionsübergabe in Bern

Der Kampf um 1 zusätzliche Million

Im Dezember lehnte der Nationalrat eine zusätzliche Million für die Umsetzung der Istanbul Konvention ab. In einem Gesamtbudget von mehr als 90 Milliarden war das ein Schlag ins Gesicht für Betroffene von geschlechtsspezifischer Gewalt. Dagegen wehrten wir uns mit einer Mailaktion, eine SP-Petition sammelte innerhalb kürzester Zeit eine halbe Million Unterschriften und in Bern gab es eine spontane Demo. 

Der Druck wirkte: Die zusätzliche Million wurde gesprochen, hinterliess aber einen bitteren Nachgeschmack. Denn auch hier wurde einmal mehr klar, dass geschlechtsspezifische Gewalt nicht ernst genommen wird.

 

Wer Frauen schützen will, muss handeln, und das heisst eben auch, eine genügende Finanzierung von Massnahmen sicherzustellen. Denn ob Opferhilfe, Täterarbeit, Prävention oder Frauenhäuser – es fehlt überall an Geld.

spontane Demo in Bern

Kantonale Kampagnen

Der Bundesrat vertröstet oft mit den Worten “das ist Kantonssache”. Also setzen wir da an, bei den Kantonen und zwar bei der Finanzierung der Frauenhäuser. Wir setzen uns in drei Kantonen (einen in jeder Sprachregion) für eine Verbesserung ein.

Graubünden

2025 musste das Frauenhaus 91 Frauen und 89 Kinder aus Platzgründen abweisen. (4) Der Verein kämpft immer wieder aufs Neue um eine ausreichende Finanzierung.

 

Der Kanton finanziert das Frauenhaus zwar teilweise, aber die durchschnittliche Auslastung letztes Jahr (91%) zeigt auf, dass es mehr Ressourcen braucht.

 

Mehr Schutzplätze, mehr Fachpersonen und Gelder für spezifische Betreuung und Projekte. Anschlusslösungen und regional verteilte Schutzorte, um auch Menschen aus Randregionen Zugang zu Schutz zu gewährleisten ist im geografisch verwinkelten Kanton eine der grössten Herausforderungen.

 

Es kann nicht sein, dass das Frauenhaus jedes Jahr Frauen und Kinder abweisen muss und gleichzeitig um seine Finanzierung kämpfen muss.

 

Unterschreibe jetzt die Petition für eine konsequente Finanzierung des Frauenhauses in Graubünden:

Tessin

Im Tessin gibt es zwei Frauenhäuser, die vom Kanton unterstützt werden.

 

Trotzdem sind sie jedes Jahr auf grosszügige Spenden und Stiftungen angewiesen, um ihren Betrieb aufrecht erhalten zu können.

 

Auch in diesen beiden Frauenhäusern mussten in den letzten Jahren Frauen und Kinder aus Platzmangel abgewiesen oder anderweitig untergebracht werden. (5)

 

Frauen, die intensive psychologische Unterstützung brauchen oder unter einer Suchterkrankung leiden (beides ist häufig für Betroffene von häuslicher Gewalt) können gar nicht im Frauenhaus aufgenommen werden, denn das spezifische Fachpersonal fehlt.

 

Die beiden Frauenhäuser sind auf eine konsequente Finanzierung angewiesen, um genügend Schutzplätze anbieten zu können. Es braucht auch hier mehr Fachpersonal, um jeder Frau und allen Kindern eine professionelle Betreuung zu ermöglichen.

 

Es kann nicht sein, dass Frauen und Kinder abgewiesen werden und die Frauenhäuser gleichzeitig um jeden Franken für ihre Finanzierung kämpfen müssen!

Jura

Der Kanton Jura ist der einzige Kanton der Westschweiz ohne eigenes Frauenhaus. Schweizweit ist er einer der acht Kantone ohne eigenes Frauenhaus.

 

Betroffen müssen also ihren Kanton verlassen, um eine Schutzunterkunft zu bekommen – der Kanton arbeitet mit den Frauenhäusern in Biel und Neuchâtel zusammen.

 

Bisher argumentierte die Regierung, dass die Kosten eines eigenen Frauenhauses unverhältnismässig hoch seien. (6) Die Realität ist aber, dass die Zahlen häuslicher Gewalt im Kanton in den letzten Jahren massiv gestiegen sind.

 

2024 wurden im Vergleich zum Vorjahr ganze 60% (!) mehr Fälle häuslicher Gewalt erfasst. 2025 wurden 293 Fälle verzeichnet. (7)

 

Aber bereits 2019 erschütterte ein besonders grausamer Feminizid den Kanton Jura: In Corfaivre wurden in einer Wohnung die zwei Leichen eines Paares gefunden. Die Frau hatte wenige Tage zuvor Anzeige gegen ihren Partner wegen sexueller Nötigung erstattet. Gegen den Mann lief ein Strafverfahren wegen häuslicher Gewalt. (8)

 

Für uns ist klar: Der Kanton Jura braucht ein eigenes Frauenhaus. Die aktuelle Schutzwohnung und Notunterkunft reichen nicht. Ein Frauenhaus kann einen Schutzplatz garantieren und – noch viel wichtiger – die äusserst wichtige, professionelle Betreuung durch Mitarbeiterinnen.

 

Unterschreibe jetzt die Petition und fordere ein Frauenhaus für den Kanton Jura!

Wichtig ist:

Für Betroffene sind Frauenhäuser wichtige Schutzplätze, die im ersten Moment Schutz bieten und bei Anschlusslösungen unterstützen können. In der ganzen Schweiz ist die Auslastung allerdings hoch und in vielen Kantonen ist die Finanzierung nur dürftig geregelt, das heisst Frauenhäuser sind fast immer auf Spenden und Stiftungen angewiesen.

 

Deswegen setzen wir uns in einem ersten Schritt dafür ein, dass die kantonale Finanzierung in Graubünden und im Tessin verbessert wird und der Kanton Jura endlich den Schritt für ein eigenes Frauenhaus geht.

 

Danke für deine Unterstützung dieser Kampagne! ❤️

Du oder jemand, den du kennst, ist von Gewalt betroffen?

Quellen:

(1) Rechercheprojekt Stop Femizid, Stand 19.8.26

(2) gfs.bern, 2019: Sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt an Frauen sind in der Schweiz verbreitet

(3) Sotomo, Nov. 2021: Gewalt in Paarbeziehungen in der Schweiz

(4) Frauenhaus Graubünden: Jahresbericht 2025

(5) Associazione consultorio delle donne: Rapporto di attività 2024; Casa Armònia e consultorio alissa: Rapporto d’attività 2025

(6) Canton du Jura, 1.7.26: Projet de loi concernant la prévention et la lutte contre les violences domestiques (Message du Gouvernement au Parlement)

(7) Statistiques de la criminalité du Canton du Jura, 2019 – 2025

(8) RTS, 26.12.19: “L’assassin de ma sœur aurait dû être incarcéré”