Umweltschützer:innen warnen Versicherer vor Gasunies geplantem LNG-Terminal in Brunsbüttel

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Stop insuring oil and gas projects

Zürich, 5. Oktober 2021

Die Kampagnenorganisation Campax hat heute gemeinsam mit anderen Mitgliedern des „Insure our Future“-Netzwerks sowie weiteren Gruppen aus der internationalen Klimabewegung einen Protestbrief an neun Versicherer zum geplanten LNG Terminal in Brunsbüttel, Schleswig-Holstein, geschickt. Der Brief richtet sich an Versicherer des niederländischen Gasnetzbetreibers Gasunie, der gemeinsam mit dem ebenfalls niederländischen Unternehmen Vopak und dem deutschen Unternehmen Oiltanking, einem Tochterunternehmen der Marquard & Bahls AG, das Projekt umsetzen will.

Konkret werden die Zurich Insurance Group, Munich Re, AXA, HDI/Talanx, AIG Europe, SCOR, Allianz, Chubb und Liberty Mutual von den Umweltschützer:innen aufgefordert, das LNG-Terminal in Brunsbüttel nicht zu versichern. Des Weiteren wird gefordert, dass auch keine anderen neuen fossilen Projekte oder Erweiterungen bestehender fossiler Projekte versichert werden. Denn solche Projekte würden jahrzehntelang zusätzliche Treibhausgasemissionen festschreiben und somit zu einer weiteren Verschärfung der Klimakrise beitragen.

Um katastrophale Auswirkungen des Klimawandels zu verhindern, muss die Nutzung fossiler Energien entsprechend einem 1,5°C-Szenario beendet werden. In seinem 2018er „Special Report on Global Warming of 1.5°C“ (Deutsch: Spezialbericht zur globalen Erwärmung um 1,5°C) hat das IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) Modellpfade aufgezeigt, die nicht oder nur wenig über eine 1,5°C globale Erwärmung hinausgehen. Diese sehen Emissionsreduktionen zwischen 40 und 60 Prozent bis 2030 gegenüber dem Ausstoss von 2010 vor, was einer jährlichen Reduktion um fast acht Prozent entspricht. Dieses Jahr hat der IPCC in seinem sechsten Bericht einen „Alarmzustand für die Menschheit“ (Englisch: „Code Red for Humanity“) ausgerufen und dabei klar gemacht, dass globale Emissionen reduziert werden müssen, bevor es zu spät ist. Die Internationale Energieagentur (kurz IEA) hat in ihrem „Net Zero by 2050“-Bericht (Deutsch: Netto-Nullemissionen bis 2050) aus Mai 2021 klar gemacht, dass für die Einhaltung des 1,5°C-Limits der Bau von und die Investitionen in neue Gas- und Ölanlagen sofort gestoppt werden müssen.

Lindsay Keenan von Insure our Future: „Wenn Versicherer ihre Verpflichtung zum Pariser Abkommen ernst nehmen und weiter für sich in Anspruch nehmen wollen, führend in den Industrieinitiativen für Net-Zero zu sein, müssen sie aufhören, neue Öl- und Gasprojekte mit Investitionen und Versicherungen zu unterstützen. Ebenso müssen sie existierende Öl- und Gasversicherungen entsprechend einem 1,5°C Pfad beenden.“

Lucie Pinson, Geschäftsführerin von Reclaim Finance: „Der für die Menschheit vom IPCC ausgerufene Alarmzustand könnte nicht klarer sein. Es ist verrückt, jetzt noch neue fossile Infrastruktur zu bauen, die jahrzehntelang weitere Treibhausgasemissionen nach sich ziehen und damit den Klimawandel weiter anheizen wird. Alle Versicherer von Gasunie müssen zeigen, dass sie die Klimawissenschaft ernst nehmen und eine Versicherung für das geplante LNG-Terminal in Brunsbüttel ausschliessen. Insbesondere rufen wir AXA zum Handeln auf: Der französische Versicherer hat den Ausstieg der Versicherungsbranche aus der Kohle angeführt. Nun ist es an der Zeit, dass Axa diese Rolle auch bei Öl und Gas übernimmt.“

Angelina Dobler, Klima-Campaignerin Campax: „Die Zurich Insurance Group, Allianz, Munich Re und AXA gehören zu den wichtigsten Versicherern weltweit für Öl- und Gasprojekte, obwohl sie gleichzeitig zu den Gründungsmitgliedern der ‚Net Zero Insurance Alliance‘ gehören. Sie müssen Vorbild für die Versicherungsbranche sein und den Ausstieg aus der Öl- und Gasexpansion anführen. Dazu gehört als erster Schritt, den Bau eines weiteren umstrittenen und aller Voraussicht nach wenig genutzten LNG-Terminals wie in Brunsbüttel nicht zu unterstützen.“

Sofia Rodriguez Engelbrecht, Parents for Future Berlin: „Als Eltern sind wir uns unserer Verantwortung für den Schutz der Zukunft unserer Kinder bewusst. Es ist erschütternd zu sehen, wie Konzerne und Regierungen alle wissenschaftlichen Erkenntnisse ignorieren und den Ausbau der Infrastruktur für fossile Brennstoffe vorantreiben. Es ist mehr als beunruhigend zu sehen, dass Versicherungsgesellschaften solche Projekte versichern. Wir fordern die Versicherer inständig auf, sich von diesen rückständigen, zerstörerischen Projekten fernzuhalten und die Zukunft in Form von erneuerbaren Energien und eines lebenswerten Klimas mitzugestalten.“

Kontakt
Angelina Dobler, Campax
077 527 54 25
[email protected]

Anmerkungen:

  1. Zu den Versicherern von Gasunie gehören AIG Europe, Allianz, AXA, Chubb, HDI/Talanx, Liberty Mutual, Munich Re, SCOR und Zurich Insurance Group. Allianz, AXA, Munich Re, SCOR und Zurich Insurance Group gehören zu den acht Gründungsmitgliedern der „Net Zero Insurance Alliance“ (NZIA).
  2. 2. In einem im März veröffentlichten Bericht „Taking the Next Step“ (Deutsch: „Den nächsten Schritt gehen“) fand urgewald heraus, dass die meisten europäischen und US-amerikanischen Versicherer neue LNG-Projekte in jüngerer Vergangenheit unterstützt haben, auch die NZIA-Mitglieder Allianz, AXA und Munich Re.
  3. Auch wenn die fossile Industrie und viele Politiker*innen von „Brückentechnologie“ sprechen, hat fossiles Gas (ebenso wie Flüssiggas) einen negativen Einfluss auf das Klima. Es besteht fast ausschliesslich aus Methan, das über einen 20-Jahreshorizont einen 86 Mal grösseren Erwärmungseffekt hat als CO2. Das LNG-Termin in Brunsbüttel soll 450 Millionen Euro kosten, von denen bis zu 100 Millionen von deutschen Steuerzahler*innen kommen sollen. LNG-Terminals ebenso wie andere fossile Infrastruktur brauchen Jahrzehnte, um die ursprünglichen Investitionskosten wieder einzuspielen. Damit wird die weitere Nutzung von fossilen Energien ebenfalls über Jahrzehnte festgeschrieben – oder das Risiko eines „stranded assets“ in Kauf genommen. Der EU-Energiesektor muss bis 2035 vollständig dekarbonisiert werden, was in völligem Widerspruch zum Bau eines LNG-Terminals steht, das mindestens 40 Jahre betrieben werden soll.
  4. Im Mai 2021 kam die Internationale Energieagentur (IEA) zu dem Schluss, dass bei einem Netto-Nullenergiepfad bis 2050 „kein Bedarf an Investitionen in neue fossile Brennstoffe“ bestehe und dass „abgesehen von den bereits 2021 zugesagten Projekten keine neuen Öl- und Gasfelder für die Erschliessung in [diesem] Pfad genehmigt werden und keine neuen Kohlebergwerke oder Bergwerkserweiterungen erforderlich sind“. Nach dieser entscheidenden Stellungnahme im Mai wird der IEA World Energy Outlook-Bericht am 13. Oktober veröffentlicht.
  5. Klimaaktivist*innen nehmen verstärkt neue Öl- und Gasinfrastruktur in den Blick. Am 30. Juli 2021 besetzten „Ende Gelände“ und die „Shale Must Fall“-Kampagne die Fläche, auf der das LNG-Terminal Brunsbüttel errichtet werden soll. Tausende demonstrierten in der schleswig-holsteinischen Stadt und blockierten die Zubringerstrasse zu dem entsprechenden Industriegelände. Andere blockierten den Nord-Ostsee-Kanal mit Kanus.

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