Petitionsübergabe Sexismus an der SNB

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An der Schweizerischen Nationalbank grassieren Sexismus, Mobbing und Lohndiskriminierung. Zu diesem Schluss kommt der Artikel “die letzte Bastion” [1] von Patrizia Laeri und Fabio Cavegn. Darin kommen zahlreiche Betroffene zu Wort. Die Vorwürfe sind hart, die Schlussfolgerung klar: Es braucht eine unabhängige Untersuchung der Vorgänge und Prozesse an der SNB. 

Genau das forderten mit unserer Petition “Lohndiskriminierung, Mobbing und Sexismus in der SNB unabhängig untersuchen lassen” 4’450 Personen. Diese konnten wir heute der Präsidentin des Bankrates, Frau Barbara Janom Steiner, persönlich übergeben. 

Ein klärendes Gespräch

Als Expertin begleitete mich Jolanda Spiess-Hegglin, welche sich seit Jahren mit Diskriminierung und Sexismus in der Schweiz befasst und diesen systematisch aufarbeitet. Das Gespräch zu viert mit Frau Janom Steiner sowie einem Vertreter der SNB war sehr konstruktiv und aufschlussreich. Bereits zu Beginn konnten wir unsere Forderung nach einer ausführlichen externen Untersuchung platzieren sowie die gesellschaftliche Verantwortung der SNB hervorheben. 

Im Gespräch zeigte sich dann, dass der Bankrat die Thematik ernst nimmt und bereits eine Untersuchung der gemeldeten Fälle der letzten 6 Jahre durchgeführt hat. Zusätzlich wird nun eine breitere Untersuchung eingeleitet, die von externen Experten begleitet wird. Frau Janom Steiner betonte dabei, dass der Bankrat von der SNB unabhängig sei und auch seine Mitglieder nicht vom Direktorium der Bank sondern von der Generalversammlung und dem Bundesrat gewählt werden. Genauer gesagt werden sechs Mitglieder des Bankrates vom Bundesrat und 5 von der Generalversammlung der SNB gewählt. Die Unabhängigkeit der Untersuchung sei also gewährleistet. Gleichzeitig wird auch der gesetzlich vorgeschriebene Lohngleichheitsbarometer erstellt.

Dass die Untersuchung einerseits von externen Experten begleitet wird, und dass mit Vania Alleva, Präsidentin der Unia, eine glaubwürdige Vertretung der Arbeitnehmerinnen im Untersuchungskommitee sitzt, stimmt uns positiv. Frau Janom Steiner konnte uns glaubhaft versichern, dass eine Aufarbeitung stattfinden wird und ihr bewusst ist, dass sie – auch als erste Frau als Bankratspräsidentin seit eh und je – den gesellschaftlichen Wandel der Gleichstellung vorantreiben will.

Wie weiter?

Selbstverständlich bleiben viele Fragen offen. Kann eine solche Untersuchung systematische Missstände aufdecken, vorallem wenn es bereits bei der Meldestelle harzt? Werden die Betroffenen offen berichten, wenn die Missstände vom Direktorium bereits vor der Untersuchung pauschal zurückgewiesen wurde? Uns wurde heute in Chur versichert, eine grosse Auslegeordnung zu machen.

Sicher ist, dass der Artikel in der Republik ein Anstoss für Veränderung gab und die Petition von Campax eine Signalwirkung hatte. Sei es aus Angst vor einem Imageschaden oder aus wahrer Betroffenheit: Das SNB-Direktorium und der Bankrat müssen jetzt handeln und Worte Taten werden lassen. Wir bleiben dran.

 


[1] Republik, 24.9.20, die letzte Bastion

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