Nasse Botschaft für die Zurich Group

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Einen Tag vor der Generalversammlung der Zurich Group haben wir ihr auf dem Seeweg einen Besuch abgestattet. Mit einem riesigen, schwimmenden Banner sind wir über den Zürichsee zu ihrem Hauptsitz beim Hafen Enge gefahren. Unsere Forderung: Jetzt aus der Versicherung von Öl- und Gas-Projekten aussteigen!

Heute Morgen, 7:00 Uhr, Lufttemperatur 5 Grad, Wassertemperatur 7 Grad. Ein Segelboot mit Campax-Aktivist:innen verlässt den Hafen in Zürich Riesbach. Hinten angehängt: Ein 10 mal 13 Meter grosses Banner. Durch eingenähte Schwimmer bleibt es an der Wasseroberfläche. Langsam entfaltet es sich und der Schriftzug wird lesbar: «Zurich, stop insuring oil and gas projects!». Das Segelbot nimmt Kurs auf in Richtung Hafen Enge, wo das Ziel der Aktivist:innen liegt: Der Hauptsitz der Zurich Versicherung. 

Morgen ist die Generalversammlung der Zurich Versicherung. Die Zurich ist Mitglied der Net-Zero Insurance Alliance und hat sich dazu verpflichtet, CO2-Emissionen entsprechend dem 1.5°C-Ziel zu begrenzen. Dennoch gehört sie weltweit zu den grössten Versicherern von Öl und Gas. Öl und Gas sind für rund 55% aller globalen CO2-Emissionen verantwortlich! 

Mit der heutigen Aktion haben wir die Zurich dazu aufgefordert, ihren Worten Taten folgen zu lassen. Die Zurich darf keine neuen Öl- und Gas-Expansionsprojekte mehr versichern und muss aus den bestehenden Versicherungen schrittweise aussteigen. 

In den vergangenen Wochen haben verschiedene Versicherungen ihre Klima-Ziele verschärft. Die Zurich muss jetzt nachziehen und vollständig aus Öl und Gas aussteigen!

Hintergrund der Kampagne: 

Putin’s Krieg wird durch die Öl- und Gas-Exporte Russlands finanziert. Das führt uns schmerzlich vor Augen, wie dringend nötig ein rascher Ausstieg aus fossilen Energien ist. Die Zurich Versicherung wurde von Nichtregierungsorganisationen zu den “Putin100” gezählt – den 100 Finanzinstituten, die am stärksten in der russischen Öl- und Gas-Industrie involviert sind. (1) 

Die Öl- und Gaspolitik der Zurich Group ist bei weitem nicht ausreichend. Die Versicherung schliesst derzeit – abgesehen von Kohle – Ölsand, Ölschiefer und Öl aus Teilen der Arktis aus. (2) Im November schloss sie zudem sogenannte “Greenfield”-Explorationsprojekte* von Unternehmen ohne “sinnvollen Übergangspläne” aus. Diese Politik erlaubt es ihr jedoch immer noch, die meisten Öl- und Gas-Expansionsprojekte zu versichern. (3) 

Die Zurich muss sofort aufhören, neue Öl- und Gasprojekte zu versichern, wenn sie es mit ihren Klimaversprechen ernst meint. Sowohl der Weltklimarat IPCC (4) als auch die Internationale Energieagentur IEA (5) haben klar kommuniziert, dass das 1.5°C-Ziel kein weiterer Ausbau fossiler Energieproduktion erlaubt. Mehr noch: Die bestehende Produktion muss ebenfalls auslaufen. Die globale Öl- und Gasproduktion muss bis 2030 jährlich um 4 % bzw. 3 % zurückgehen, um mit einem 1,5°C-Pfad vereinbar zu sein. (6) 

Inzwischen haben verschiedene Versicherungen weitaus ambitioniertere Klima-Ziele als die Zurich Versicherung beschlossen. So hat der Rückversicherer Swiss Re – nur Tage nach Hannover Re und MAPFRE – Mitte März beschlossen, die meisten neuen Öl- und Gas-Projekte auszuschliessen. (7) Möchte Zurich ihrem Anspruch gerecht werden, führend in Sachen Klima zu sein, muss sie jetzt nachziehen.

* Als “Greenfield” werden Förderprojekte in Gebieten bezeichnet, die vorher noch nicht für die Rohstoffförderung genutzt wurden; dies insbesondere als Abgrenzung vom Ausbau bestehender Förderanlagen. 

(1) https://putin100.org/#ranking
(2) https://www.zurich.com/en/sustainability/governance-and-policies/exclusion-policies
(3) https://global.insure-our-future.com/zurich-takes-minor-step-away-from-oil-and-gas/
(4) IPCC, Global Warming of 1.5 ºC. Special Report, October 2018
(5) https://www.iea.org/reports/net-zero-by-2050
(6) Stockholm Environment Institute et al, The Production Gap, December 2020
(7) https://campax.org/good-news-policy-update-von-swiss-re/

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Die Helvetia Versicherung bewegt sich, aber viel zu langsam. In...

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4 replies added

  1. Doris Ammann April 5, 2022 Antworten

    Bravo CAMPAX – super visible campaign. Let’s hope it’ll help „make change happen!“ Thank you

  2. Zurich Mann April 8, 2022 Antworten

    Als Angestellter der ‚Zurich‘ habe ich Euren Link in unserem internen ‚Facebook‘ gepostet und nachgefragt, ob eine Reaktion erfolgt ist.
    Ich empfinde generell, dass ich einen engagierten Arbeitgeber habe, dem Nachhaltigkeit und soziales Engagement ein ernstes Anliegen sind, wo Taten den Worten folgen.
    Hier die Antwort:
    We regularly engage with this organization to explain our climate-related approach. We have advised Campax that it is incorrect that Zurich is one of the biggest insurers in the oil and gas industry. We have actually reduced our market share in this industry by 60% since 2014. And this downward trend will continue as we progress on our net-zero commitment and expand our presence in the clean energy sector. We want to lead the climate transition and support our customers in aligning their business models with a 1.5C future. We have seen very strong momentum in this area through engagement and customers turn to us for climate-related advice and solutions.

    • Nora Scheel April 8, 2022 Antworten

      Hallo! Vielen Dank, das ist sehr wertvoll für uns. Es ist richtig, dass wir in regelmässigem Dialog sind mit der Zurich, insbesondere über das internationale Netzwerk „Insure our future“. Ja, Zurich hat uns bereits kommunziert, dass sie sich nicht mehr zu den grössten Öl- und Gas-Versicherern zählen. Sie haben uns bis jetzt aber keine konkrete Zahlen für ihre Einstufung oder Zahlen für ihre Prämien für Öl und Gas vorgelegt. Was die Klimapolitik betrifft: Die Internationale Energie Agentur IEA und der Weltklimarat IPCC haben klar kommuniziert, dass ein 1.5 Grad-Pfad kein weiterer Ausbau der fossilen Energieproduktion zulässt – im Gegenteil, diese muss jährlich um 3-4% abgebaut werden. Die Zurich versichert aber weiterhin expandierende Öl- und Gas-Projekte. Das ist ganz klar nicht mit Netto-Null vereinbar. Sie schliesst nur sogenannte „Greenfield“ Projekte aus (und auch dort nur von Unternehmen, die keinen Netto-Null-Plan haben), also solche, wo vorher noch gar kein Abbau stattgefunden hat. Das ist aber die Minderheit; meistens werden bestehende Anlagen erweitert. Die Zurich hinkt diesbezüglich hinterher; in den vergangenen Wochen haben verschiedene Versicherungen ihre Policies updated, unter anderem die Swiss Re. Wobei: Auch die Swiss Re-Policy ist noch nicht im Einklang mit den Vorgaben der IEA und des IPCC. Liebe Grüsse, Nora, Kampagnenleiterin

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