Campax und Klimastreik Winterthur stürmen Bühne und stören Panel von Zurich CEO Juan Beer am Swiss Green Economy Symposium (SGES) in Winterthur

Winterthur, 07.09.2022.

Um 10:30 haben Aktivist*innen von Klimastreik Winterthur und Campax die Bühne der Veranstaltung im Theater Winterthur mit einem Banner gestürmt. Per Megaphon unterbrachen sie die Rede von Zurich Versicherung Schweiz CEO Juan Beer am Swiss Green Economy Symposium (SGES). Sie kritisieren das Greenwashing des SGES und fordern von Zurich den Versicherungs-Stopp neuer Öl- und Gasprojekte sowie den schrittweisen Ausstieg aus bestehenden Projekten.

Am Mittwochmorgen wurde das Hauptprogramm des Swiss Green Economy Symposium (SGES) in Winterthur empfindlich gestört. Während des Panels «Konkreter Klimaschutz in Unternehmen» wurden Zurich Versicherung CEO Juan Beer, GLP Präsident Jürg Grossen, der CEO von myclimate sowie Vertreter*innen von Coca-Cola und Migros von drei Aktivist*innen des Klimastreik Winterthur und Campax überrascht. Diese stürmten mit einem 2,5m grossen Banner mit der Aufschrift «Zurich, raus aus Öl und Gas!» auf die Bühne, während ein Publikum von rund 400 Personen zuschaute. Aus dem Publikum waren viele positive Reaktionen zu vernehmen.

Mit einem Megaphon kritisierte Björn Müller, Campaigner bei Campax: “Trotz eskalierender Klimakrise, einem Sommer verheerender Waldbrände und nun tausenden Toten in einem überschwemmten Pakistan, ruht sich die Zurich Versicherung auf komplett ungenügenden Klimapolicies aus. Denn diese erlauben es weiterhin die meisten Öl- und Gasprojekte zu versichern, wie Insure our Future aufzeigte!” (1) Paula Will, Aktivistin beim Klimastreik Winterthur ergänzt: “Die Zurich Versicherung und andere Unternehmen haben hier und heute wieder einmal versucht investitionen in fossile Gas Geschäfte als «Grün» zu verkaufen. Nachhaltigkeit in Unternehmen ist wichtiger denn je, aber mit solchen Greenwashing-Anlässen erreichen wir nur mehr Investition in fossile Energieträger als ein Umdenken und blockieren den Ausbau erneuerbarer Energien.

Zurich versichert weiterhin Öl- und Gasprojekte

Die Zurich Versicherung schliesst zwar seit November 2021 Kohle, Ölsand, Ölschiefer (2), Projekte in Teilen der Arktis wie auch «Greenfield»-Ölexplorationsprojekte (3) von Unternehmen ohne «sinnvolle Übergangspläne» aus. Jedoch sind diese Ausschlusskritierien viel zu lasch. Denn sie ermöglichen, gemäss einer Analyse des internationalen Netzwerks Insure our Future, weiterhin die meisten Ölerweiterungsprojekte zu versichern (1). Gasprojekte sind überhaupt nicht ausgeschlossen, ausser in Teilen der Arktis. Dabei ist gerade die Gasförderung durch das entlang der ganzen Wertschöpfungskette entweichende, viel klimaschädlichere Methan besonders treibhausgasintensiv. 

Ironischerweise sieht sich Zurich selbst als Vorreiterin in Sachen Klima. Wenn sie das ernst meint, muss sie sofort aufhören, neue Öl- und Gasprojekte zu versichern. Sowohl der Weltklimarat (IPCC) (4) als auch die Internationale Energieagentur (IEA) (5) haben klar kommuniziert, dass das 1,5°C-Ziel keine weitere Ausweitung der fossilen Energieproduktion zulässt. Vielmehr muss auch die bestehende Produktion schrittweise abgebaut werden. Die weltweite Öl- und Gasproduktion muss bis 2030 um 4 % bzw. 3 % pro Jahr zurückgehen, um mit einem 1,5°C-Pfad vereinbar zu sein. (6)

 

Bild/Video (8 Bilder, 1 Video): https://flic.kr/s/aHBqjA5Wt5

 

Kontakte für Fragen und Interviews:

Björn Müller, Campaigner Campax, [email protected]

Paula Will, Aktivistin Klimastreik,  [email protected] 

 

Quellen:

  1. Analyse des internationalen Netzwerks Insure Our Future zur jüngsten Aktualisierung der Versicherungspolice von Zurich: https://global.insure-our-future.com/zurich-takes-minor-step-away-from-oil-and-gas/
  2. Zurich, Ausschlussrichtlinien: https://www.zurich.com/en/sustainability/governance-and-policies/exclusion-policies
  3. „Greenfield“ bezieht sich auf Explorationsprojekte in Gebieten, die bisher nicht für die Rohstoffgewinnung genutzt wurden; insbesondere in Abgrenzung zur Erweiterung bestehender Produktionsanlagen.
  4. IPCC, Global Warming of 1.5 ºC. Special Report, October 2018.
  5. IAE, Net Zero by 2050: https://www.iea.org/reports/net-zero-by-2050
  6. Stockholm Environment Institute et al, The Production Gap, Dezember 2020.

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