Klimawandel: Schweizer Versicherer verlieren Führungsrolle

Vorreiterrolle verloren, Zurich Insurance versagt beim Klimaschutz

Die internationale Kampagne Insure our Future, deren Mitglied Campax ist, veröffentlicht heute das fünfte globale Versicherungsranking. Darin wurden 30 führende Versicherungen auf ihre Klimaschutzmassnahmen untersucht. Während die Kohleausschlüsse zunehmen und die globale Kohleindustrie unter Druck setzen, untergraben Versicherungen ihre Klimaambitionen durch fehlende Massnahmen bei Öl und Gas.

Zögerlicher Rückzug aus Drecksgeschäften

Die diesjährige Erhebung zeigt, dass Swiss Re und Zurich ihre Führungsrolle beim Klimaschutz an ehrgeizigere Versicherer verlieren und beim Underwriting auf Platz 4 bzw. 5 mit den Noten 3,6/10 und 3,2/10.
Beim Divestment sind sie auf Platz 4 (3,5/10) bzw. 6 (3,3/10) abgerutscht. Obwohl beide Mitglieder der Net-Zero Insurance Alliance (NZIA) sind, haben sie nur begrenzte Beschränkungen für die Versicherung von Öl- und Gasprojekten eingeführt.
Die Zurich bleibt laut Orbis Research der drittgrösste Versicherer des Öl- und Gassektors mit 10,8% Marktanteil. Die SwissRe hat Pläne angekündigt, Kohle ab 2023 aus ihrem vertraglichen Rückversicherungsgeschäft auszuschliessen. Damit stopfen sie ein wichtiges Schlupfloch, das Kohleversicherern ermöglicht hat, ihr Risiko zu begrenzen.
Peter Bosshard, der Koordinator der Insure our Future Kampagne sagt: «Die Versicherungsbranche gibt ihre Führungsrolle beim Klimaschutz auf, indem sie weiterhin neue Öl- und Gasprojekte zeichnet. Der wissenschaftliche Konsens ist eindeutig: Wir können eine Klimakatastrophe nicht vermeiden, wenn wir die Produktion fossiler Brennstoffe ausweiten. Die Versicherungsunternehmen müssen der Wissenschaft folgen und aufhören, alle neuen Kohle-, Öl- und Gasprojekte zu versichern, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit als Klimavorreiter wiedererlangen wollen.»
Angelina Dobler, Klimacampaignerin bei Campax ergänzt: «Weder die SwissRe noch die Zurich Insurance Group verfolgen bisher eine ernst zu nehmende Öl- und Gaspolicy. Das ist in Zeiten der Klimakrise fahrlässig. Sie müssen dringend die Versicherungsgeschäfte von neuen Öl- und Gasprojekten ausschliessen. Die Zurich Insurance Group muss als Gründungsmitglied der Net-Zero Insurance Alliance den Klimaschutz mit höchster Priorität behandeln.»

Ohne Kohle keine Kohle

Versicherungen und Rückversicherungen spielen in der Bekämpfung und Verminderung der Klimakrise eine tragende, wenn auch bisher eher unbekannte, Rolle. Ohne Versicherungsschutz können Kohle-, Öl-, und Gasprojekte nicht realisiert werden, denn diese sind höchst risikoreich. Fossile Brennstoffe sind für ca. 80% der CO2 Emissionen verantwortlich. (Rück)Versicherungen wie die SwissRe und Zurich, die sich dem 1.5°C Ziel des Pariser Klimaabkommens verpflichtet haben, müssten also solche Projekte zwingend von ihrem Portfolio ausschliessen um diesen Verpflichtungen gerecht zu werden. Derzeit sind über 100 solcher Projekte in Bau oder in Planung.

Vorreiterrolle verloren, Zurich Insurance versagt beim Klimaschutz

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