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Armelle, Campax – © Chantal Convertini

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Armelle, Campax – © Chantal Convertini

Als Togoerin, die in der Schweiz aufgewachsen ist, identifiziere ich mich sehr stark mit der hiesigen Kultur. Mein Leben findet hier statt. Ich bin hier zur Schule gegangen, studiere hier und fühle mich am wohlsten, wenn ich Baseldeutsch reden kann. Als ich als Kind wieder mal weinend nach Hause kam, hat mir mein Vater klar gemacht, dass ich immer damit rechnen muss, dass mich Menschen anders behandeln können, weil ich eine andere Hautfarbe habe als die Mehrheit der Schweizer*innen. Irgendwie ist dies ja auch zu erwarten. Man sticht heraus, sieht schon von Weitem nicht so aus wie die Norm. Und früher oder später, bekommt man in unterschiedlichen Situationen das Gefühl, dass man anders ist. Dies nicht unbedingt auf eine positive Weise.

«Du kannst ja gut Deutsch. Das würde man Dir gar nicht geben wenn man Dich so ansieht. Beim telefonischen Bewerbungsgespräch dachte ich Du seist Schweizerin.»

Oder:

«Für eine schwarze Frau siehst Du aber gar nicht so schlecht aus.»

Ein ander Mal:

«Geh wieder dorthin wo Du hergekommen bist, und nimm Dein AIDS und Deine Bakterien wieder mit.»

Rassismus geschieht nicht irgendwo, sondern ist für mich in meinem Alltag greifbar.

Nachdem ich aber auf Social Media zuschauen kann, wie ein schwarzer Mann verhaftet wird und ihm ein weisser Polizist über mehrere Minuten mit dem Knie die Luft abschnürt, verstehe ich die Welt nicht mehr. Kurzdarauf wird dieser im Spital auch noch für tot erklärt. Da kann einfach etwas nicht stimmen. Es wäre falsch sich nicht zu empören, es wäre falsch zu schweigen und tatenlos zuzuschauen. Ob dies nun in der Schweiz passiert oder auf der anderen Seite der Welt. Die Wut und Verzweiflung steigt in einem hoch und die Ungerechtigkeit kann nicht mehr ignoriert werden. Ich erinnere mich an all die Vorfälle, über die in den letzten Monaten und Jahren berichtet wurde. Schliesslich stelle ich mir die Frage wie es überhaupt zu so einer Situation kommt, indem ein Mann ohne jeglichen Grund sein Leben verliert. Und ja, ich sage ohne jeglichen Grund. Denn egal was er im Vorfeld gemacht oder gesagt hat: Es gab keinen Grund dafür, dass er auf diese Weise sterben musste. Und dann denke ich an all die Momente in denen ich selber rassistische Erfahrungen gemacht habe, die mich für immer prägten. Die natürliche Antwort auf diesen Gedankengang ist: Jetzt reichts! Jetzt ist einfach mal genug und so gehts nicht mehr weiter!

Das Schweigen kann nicht mehr akzeptiert werden und es wird an der Zeit, etwas dagegen zu unternehmen.

Deshalb schloss ich mich am Pfingstmontag, trotz Corona-Verbot, den über tausend Menschen in Zürich auf Strasse an, um gegen die andauernde Polizeigewalt in den USA und den Tod von George Floyd zu demonstrieren und meine Solidarität für die Black Lives Matter-Bewegung kundzutun [1]. Die Demonstration in Zürich sprach nicht nur die Situation in den USA an, sondern auch den institutionellen und strukturellen Rassismus in der Schweiz.

Insbesondere in der Schweiz tun sich viele Leute schwer damit, über Rassismus und Diskriminierung zu reden.

Hier – so scheint es – ist ja alles gut. Aber auch in der Schweiz erfahren schwarze Menschen nicht weniger Rassismus als in anderen Ländern. Das Ausmass mag sich dabei unterscheiden. Trotzdem, auch hierzulande läuft einiges schief. Heute möchte ich Dich darauf aufmerksam machen und dazu Stellung nehmen, weshalb genau jetzt der richtige Moment ist, um den Diskurs über institutionellen und strukturellen Rassismus in der Schweiz intensiv zu führen.

Als schwarze Person erlebt man Rassismus im Alltag auf unterschiedliche Art und Weise. Rassismus kann sich versteckt, alltäglich, kulturell, institutionell oder auch strukturell äussern [2]. Wahrscheinlich haben alle POC in irgendeiner Weise schon Rassismus erfahren. Und irgendwie gewöhnt man sich daran und versucht sich damit abzufinden – oder auch nicht. Manchmal ist eine rassistische Bemerkung oder Handlung so “unterschwellig”, dass sich die Frage stellt, ob die Menschen es eigentlich noch merken, dass sie sich rassistisch verhalten oder nicht?

Soll ich mich jetzt wehren oder soll ich das ignorieren?

Mein Gegenüber würde es eh nicht verstehen, wenn ich es darauf anspreche.

Heute schon von der Polizei kontrolliert worden?

Die Erfahrung von Racial Profiling ist eine, die viele schwarze Männer öfters durchmachen. Und das ewige Unverständnis des Gegenübers, das Deinen emotionalen Kampf in solchen Situationen nicht verstehen kann.

Der Kampf besteht nicht zwischen Weiss und Schwarz, oder Mehrheit gegen Minderheit. Der wirkliche Kampf besteht zwischen der Gesellschaft und den bestehenden gesellschaftlichen Strukturen. Zwischen uns allen und dem Rassismus. Denn nur zusammen können wir dieses Problem angehen und beheben. Es ist an der Zeit, dass wir als Gesellschaft zusammenkommen und unseren Umgang mit POC in Frage stellen. Das Leben jedes einzelnen Menschen ist würdig. Jeder hat es verdient, mit Respekt behandelt zu werden. Keiner sollte sich davor fürchten, eine Wohnung oder eine Stelle, aufgrund der Hautfarbe, des Geschlechts oder der religiösen Zugehörigkeit nicht zu bekommen.

Weshalb erwarten wir von einem Teil unserer Gesellschaft, dass sie beinahe perfekt sein muss, um akzeptiert zu werden und von anderen Teilen nicht? Fakt ist, dass POC in allen Gesellschaftsschichten lediglich aufgrund der Hautfarbe, sehr stark diskriminiert werden.

Solange gewisse Gruppen in unserer Gesellschaft nicht den gleichen Stellenwert erhalten wie alle anderen auch – damit ist oft die Mehrheit gemeint – leben wir in einer ungesunden Gesellschaft. Denn erst wenn “schwarzes Leben” würdig ist, sind alle Leben würdig.

Bist Du auch der Meinung, dass es an der Zeit ist, dass wir einen neuen und hörbaren Diskurs zu diesem Thema starten? Dann freue ich mich, wenn Du diese Botschaft mit anderen teilst:

Herzlich,

Armelle

#CleanUpSwitzerland

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Sei dabei an der online GV 2020!

Am 6. Juni um 10 Uhr Vormittags findet die einzigartige...

16 replies added

  1. Katy Juni 3, 2020 Antworten

    Ich habe auch fast tagtäglich mit eine andere Form von Rassismus zu tun, ich bin Polin, lebe seit 15 jahren in der Schweiz. Das ist jetzt mein Zuhause, ich lebe, arbeite und fühle mich wohl da, in der Schweiz. Und trotzdem die Fragen die ich immer höre sind: von wo kommst du? du siehst aus wie eine …und da kommen verschiedene nationalitäten, meistens russisch usw.; wie lange bist du schon da? was arbeitest du? Wieso bist du so lange hier? Sicher hast du geheiratet damit du bleiben darfst? bist selbstandig? wie hast du das geschaft? und schräge blicke, zweideutige sätze wie: ja, polinnen sind schöne frauen, polinnen mögen schweizer männer usw. Als osteuropeische selbständige und ledige frau kriegst du sofort etikette, das du entweder jemandem abgezockt hast oder es mit deinen aussehen geschafft hast. Und ich hab mein ganzes leben hart gearbeitet, hier 15 jahren, steuern bezahlt, und alles was ich habe selber verdient. Es ist mir in zwischenzeit egal geworden, aber ich frage mich, wieso? Wieso diese beurteile nur weil ich diese und nicht andere nationalität habe….

  2. Leonie Juni 3, 2020 Antworten

    Ich finde so was einfach nur traurig. Wir sind doch alle gleich. Einen Hautton kann NICHTS an einem Menschen ändern.
    Und wenn man solche Sprüche rauslässt habe ich kein Verständnis dafür, das ist so traurig 🙁
    ✊🏻✊🏼✊🏽✊🏾✊🏿

  3. Mahir Juni 4, 2020 Antworten

    Rassismus gibt nicht nur gegen Schwarze sondern gegen wir allen Ausländer und wir alle müssen da gegen etwas unternehmen.Wir Kurden Leben gleiche Schicksal wie die Schwarze Volk.

  4. Helmuth Höfler Juni 4, 2020 Antworten

    Oben ist alles gesagt, volle Zustimmung. Ein starker Impulse,
    um seine eigenen Ansichten zu hinterfragen.

  5. urs Aschwanden Juni 4, 2020 Antworten

    Ich bin absolut einverstanden was du in deinem Text
    angebracht hast. Ich bin ganz auf deiner Seite!

  6. Reto Moritzi Juni 4, 2020 Antworten

    Es ist eine Schande, Mitmenschen auszugrenzen und in ihnen grundlos Schlechtes zu sehen. Es gilt, unsern Schatten zu überdenken.

  7. Liebe Armelle, du bist wunderschön, so wie es eine jede, ein jeder ist. Jede und jeder ist einzigartig. Gott liebt die Vielfalt und dieses Prinzip der Vielfalt ist sein Wesen. Vielfalt nicht nur bei uns Menschen, auch bei der gesamten Schöpfung. Sei glücklich so wie du bist, so wie ich glücklich und dankbar bin, so wie ich bin! Liebe Grüsse von Lieselotte

  8. Silvio Staub Juni 4, 2020 Antworten

    Every human being has the SAME human rights….regardless of color or nationality !!!

    • HERBERT WEISS Juni 4, 2020 Antworten

      Genau! In unserem Asylhemi an südwestlichen Rand Berlins hatten wir außer Osteuropäern auch Afrikaner. Bin eigentlich mit allen gut ausgekommen. Einige Rüpel hatten wir auch – bei diesen und jenen. Übrigens, wer seine „arischen Volksgenossen“ kennt, hat einen Grund mehr, sich jeden Rassismus abzuschminken.

  9. Jedesmal, wenn ich sowas lese, höre bin ich zu tiefst erschüttert und schockiert! Wenns um die Wirtschaft geht sind alle für die Globalisierung. Und wenns um kulturellen Austausch geht ist da plötzlich Angst und Hass… Warum??? Dabei ist jeglicher kultureller Austausch nur eine grossartige Bereicherung für uns alle!!! Wie kann ich meine Enkelkinder mit chinesischen Wurzeln in der 2. Generation in einer solchen Gesellschaft begleiten?!
    In Kindergärten wird an diesem Thema zum Positiven hin gearbeitet, Gott sei dank!

  10. Outofrosenheim Juni 6, 2020 Antworten

    Every human being has the SAME human rights….regardless of color or nationality !!! Dieses Statement von Herrn Straub teile ich zu 100%. Jeder unschuldig verfolgte Mensch ist einer zu viel, jeder getötete Mensch eine Tragödie. Doch wer Rechte hat, hat auch Pflichten. Jedes Volk hat seine guten und bösen Menschen. Und jedes böse Tun gehört bestraft oder noch besser verhindert. Das sollte jeder Staat für seine Bürger gewährleisten. Wenn Staaten Ihrer Aufgabe jedoch nicht gerecht werden wollen, dann sollte es Internationale Haftbefehle geben. Im Falle der vielen weißen und angeblich reichen, aber ebenso unschuldigen Opfer der Heiratsschwindler aus dem Internet, den sogenannten Romance Love Scammern überwiegend aus Westafrika, die die Frauen systematisch in 24 Stunden Schichten weltweit abzocken, ist das dringendst erforderlich. Wie kommen alle afrikanischen Staaten dazu, einfach keine Kriminellen auszuliefern, obwohl Ihre Taten nachgewiesen sind?? Mit welcher Rechtsgrundlage werden diese Kriminellen von Ihren Staaten geschützt, anstatt eingebuchtet?? Wer nach Rechten schreit, muss auch das Unrecht bekämpfen und nicht fördern!!! So entstehen eben dann, leider, schnell „Vorurteile“. Zu welcher Spirale der Gewalt und von weiterem Unrecht uns das dann führt, das zeigt uns ja gerade sehr anschaulich dieses wahnsinnig gewordene „wandelnde Haarteil“, das sich als amerikanischer Präsident betitelt. Gnade uns Gott!!!
    Nur die Schwachen haben es nötig, auf den noch Schwächeren herumzutrampeln!!! Weil Sie in Ihrem Innersten vor Angst schlottern. Und so eine Memme nennt sich „Weltführer“. Danke, so einen „Führer“ hatten wir schon mal in unserem Deutschland. Wir brauchen dasselbe nicht noch einmal als amerikanische Ausgabe. Stärkt unsere Demokratien wieder. Geht wählen!!! Vote him away!!!

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