Tierwohl statt Volksbelustigung: Schluss mit OLMA-Säulirennen!
Unsere Petition fordert das Ende des traditionellen Säulirennens auf der St. Galler OLMA. Aber warum eigentlich? Und was kannst du tun, wenn du dich noch mehr für die Kampagne engagieren möchtest, als die Petition zu unterschreiben? Und wie hat die OLMA bislang auf unsere Petition reagiert?
Gründe, warum das Säulirennen aus tierethischer Sicht nicht tragbar ist:
- Stress während des Rennens für die Tiere:
Schweine sind hochintelligent, sozial und feinfühlig. (1) Sie verfügen mit über 1110 Geruchsrezeptoren über einen stärker ausgeprägten Geruchssinn als Hunde. Ihre Spürnase ist für bestimmte Gerüche sogar rund 2000 mal empfindlicher als die Nase des Menschen. Auch ihr Hörvermögen ist stark ausgeprägt, und insbesondere laute und unbekannte Geräusche können daher grossen Stress bei den sensiblen Lebewesen auslösen. (2-5)
- Doppelmoral:
Während die Schweine über die Messetage als niedliche Rennferkel inszeniert und angefeuert werden, landen sie nach dem «heiteren Rennen zum Futtertrog» auf der Schlachtbank. (5,6) Dadurch werden lebendige, fühlende Lebewesen zu (Einweg-)Unterhaltungsobjekten degradiert.
- Falsche Erzählungen:
Der Schaden geht über das individuelle Leid der beteiligten Tiere hinaus: Es wird den Zuschauenden, insbesondere dem jungen Publikum, ein verkehrtes Bild von Tieren, ihren Bedürfnissen und der Mensch-Tier-Beziehung vermittelt. Anstatt Respekt vor anderen Lebewesen beizubringen und zu erklären, welche engen Beziehungen Schweine zu ihren Familienmitgliedern führen, dass sie Mitgefühl mit Artgenossen empfinden und menschliche Emotionen erkennen können, werden sie zum Spielzeug degradiert. Kindern wird durch das Säulirennen vermittelt, dass es akzeptabel ist, die empfindsamen Ferkel zur eigenen Unterhaltung Lärm und Stress auszusetzen.
- Widerspruch zwischen Säulirennen und landwirtschaftlicher Realität:
Die Expertin und Veterinärmedizinerin Verena Bracher hat uns erklärt: Laut Tierschutzgesetz ist freier Auslauf für Schweine nicht vorgeschrieben. Sie werden sehr jung von ihren Müttern getrennt und wachsen in Gruppen gleichaltriger Artgenossen in einer trostlosen Umgebung auf, die in keiner Weise ihrem Bedürfnis entspricht, bis sie mit nur 6 Monaten auf der Schlachtbank enden. Manche der weiblichen Tiere landen in der Zucht, wo sie unter den gleichen trostlosen Bedingungen wie bereits ihre Mütter leiden. An der Olma werden nun diese Tierkinder einem Publikum zur Schau gestellt, das sich nicht bewusst ist, was dahinter steckt. Dem Publikum wird ein «lustiges Sauleben» vorgeführt, das in keiner Weise der tatsächlichen Situation für diese Tiere entspricht.
Was kannst du tun, das über das Unterschreiben der Petition hinausgeht?
Je mehr Aufmerksamkeit die Petition und unsere Forderungen bekommen, desto mehr Druck üben wir damit auf die OLMA aus, das Säulirennen tatsächlich abzuschaffen. Und für diese Aufmerksamkeit können wir selbst sorgen: Indem wir Leser*innenbriefe zu diesem Thema an (lokale) Medien schreiben:
- Verfasse einen Text mit den wichtigsten Argumenten gegen das Säulirennen
- Erwähne die Campax-Petition, damit wir noch mehr Unterschriften sammeln können
- Beschränke dich auf etwa 2400 Zeichen (Vorgabe der meisten Redaktionen)
- Schicke deinen Text an eine oder im besten Fall mehrere Zeitungen
An folgende Adressen kannst du deinen Brief schreiben:
- Stadtteil St. Galler Tagblatt [email protected]
- Nau.ch [email protected] oder [email protected]
- Blick [email protected]
- St.Galler Bauer [email protected]
- stgallen24 [email protected]
Wie hat die OLMA bislang öffentlich reagiert?
Unsere Petition wurde von verschiedenen Lokalmedien aufgenommen und TV Ostschweiz hat die OLMA zu unserer Petition befragt. In einer Stellungnahme zur Petition erklärt die OLMA, die Begegnung mit Tieren und die Vermittlung von Wissen über Landwirtschaft und Tierhaltung seien wichtige Bestandteile der Messe.
Doch genau diese Vermittlung von Wissen stimmt bei einem Säulirennen vorne und hinten nicht. Stattdessen müsste das Publikum über den aktuellen Stand der rechtlichen Vorschriften und die Lebensrealität der Tiere in der Landwirtschaft informiert werden. Damit der Spassfaktor nicht zu kurz kommt, möchten wir noch folgende Idee in den Raum werfen: Wie wäre es, Kinder, verkleidet als «Säuli», das Rennen laufen zu lassen? Ganz wie beim Hobbyhorsing-Trend: Nur statt imaginärer Pferde gibt es im Falle des Säulirennens imaginäre Schweinchen.
🐷 Unterstütze unsere Kampagne mit einer Spende 🐖
Du findest unseren Einsatz für die Tiere wichtig? Mit deiner Spende hilfst du uns, die Kampagne gegen das OLMA Säulirennen weiterzuführen. Denn: Campax finanziert sich durch Spenden aus der Community. Wir nehmen kein Geld von Unternehmen oder Verbänden an, damit wir unabhängig bleiben können. Wenn du kannst und möchtest, unterstütze unsere Arbeit daher gern mit einer Spende. ❤️
Quellen:
(1) Marino L, Colvin CM. Thinking Pigs: A Comparative Review of Cognition, Emotion, and Personality in Sus domesticus. International Journal of Comparative Psychology. 2015;28(1). doi:10.46867/ijcp.2015.28.00.04
(2) 12. Kruska D. Mammalian Domestication and its Effect on Brain Structure and Behavior. NATO ASI Series. 1988;G17:211–250. doi:10.1007/978-3-642-70877-0_13
(3) Nguyen DT, Lee K, Choi H, Choi M, Le MT, Song N, Kim J-H, Seo HG, Oh J-W, Lee K, et al. The complete swine olfactory subgenome: expansion of the olfactory gene repertoire in the pig genome. BMC Genomics. 2012;13(1):584. doi:10.1186/1471-2164-13-584
(4) Jones JB, Wathes CM, Persaud KC, White RP, Jones RB. Acute and chronic exposure to ammonia and olfactory acuity for n-butanol in the pig. Applied Animal Behaviour Science. 2001;71(1):13–28. doi:10.1016/s0168-1591(00)00168-4
(5) Schweizer Bauer (16.09.2025): OLMA: Nachfolge für Säulirennen gesichert
(6) Renato Schatz, Samuel Tanner; NZZ (16.10.2025): Gottesdienst der Schweine. Am Säulirennen an der Olma wird die alte Schweiz zelebriert.