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Campax

Betroffene schützen,

Frauenhäuser finanzieren!

Briefing für Medien und Interessierte

Inhaltsverzeichnis

Geschlechtsspezifische Gewalt in der Schweiz

Jede zweite Frau über 16 Jahren in der Schweiz hat bereits mindestens einmal in ihrem Leben sexualisierte Gewalt erfahren. (1) In einer Studie gibt zudem fast jede zweite Frau an, bereits partnerschaftliche Gewalt erlebt zu haben. (2)

 

Es gibt keine statistische Erfassung von Feminiziden, weil der Straftatbestand nicht existiert. Deshalb tragen Freiwillige fürs Rechercheprojekt „Stop Femizid“ alle ihnen bekannten Tötungen von Frauen zusammen. Letztes Jahr zählten sie 27 Feminizide und dieses Jahr wurden bereits 17 Frauen von ihrem Partner, Expartner oder Familienangehörigen getötet. (3)

 

Feminizide sind die Spitze des Eisbergs geschlechtsspezifischer Gewalt. Ihnen geht oft eine jahrelange Spirale (häuslicher) Gewalt voraus. Immer wieder werden Frauen von Männern getötet, die bereits für häusliche Gewalt bei der Polizei bekannt sind.

Frauenhäuser in der Schweiz

Aktuell gibt es in der Schweiz 21 Frauenhäuser und ein Mädchenhaus, sowie ein Frauenhaus in Liechtenstein. (4)

 

Die meisten Frauenhäuser haben einen Leistungsvertrag mit dem jeweiligen Kanton. Die acht Kantone ohne eigenes Frauenhaus schliessen Leistungsverträge mit Frauenhäusern in den angrenzenden Kantonen ab.

 

Die Frauenhäuser sind je nach Kanton unterschiedlich finanziert, die Leistungsverträge reichen von Tagespauschalen (bestimmter Betrag pro Person, die im Frauenhaus Unterschlupf findet) bis zu Sockelbeiträgen, die den Grundbedarf der Frauenhäuser auch bei niedriger Auslastung decken sollen.

 

Die Dachorganisation Frauenhäuser Schweiz und Liechtenstein (DAO) zeigt jedes Jahr auf, dass viele Frauenhäuser überlastet und unterfinanziert sind.

 

Auf nationaler Ebene ist festgelegt, dass die Kantone für die Umsetzung der Istanbul Konvention zuständig sind, was zu einem Flickenteppich kantonaler Massnahmen führt. Der Schutz von Frauen ist je nach Postleitzahl also sehr unterschiedlich gewährleistet.

Graubünden

2025 wurden in Graubünden 260 Fälle von häuslicher Gewalt registriert. (5) Bei häuslicher und sexualisierter Gewalt muss zudem von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgegangen werden, denn nur schon die Opferhilfeberatung erfasst jedes Jahr fast doppelt so viele Fälle häuslicher Gewalt. (6)

 

Letztes Jahr war das Frauenhaus Graubünden im Durchschnitt zu 91% belegt, was die von der der Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und -direktoren (SODK) empfohlene Durchschnittsbelegung von maximal 75% klar überschreitet. (7)

 

91 Frauen und 89 Kinder mussten wegen Platzmangel sogar abgewiesen werden. (8)

 

Tessin

Die Situation im Tessin ist dieses Jahr besonders grausam: 3 Feminizide. Bereits im letzten Jahr gab es im Kanton einen Feminizid. (3)

 

Ausserdem wurden 632 Fälle von häuslicher Gewalt registriert. (9) Bei häuslicher Gewalt müssen wir zudem von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgehen, denn die Statistik erfasst nur Fälle, die bei der Polizei zur Anzeige gebracht werden. Wer sich bei einer Opferhilfestelle meldet und sich gegen eine Anzeige entscheidet oder sich gar niemandem anvertraut, wird nicht gezählt.

 

Gleichzeitig sind die Frauenhäuser teilweise überlastet: Das Frauenhaus in Lugano überstieg 2024 in 6 von 12 Monaten die empfohlene Auslastung von 75% – in 17 Fällen mussten Frauen und Kinder sogar abgewiesen werden. (10) Das Frauenhaus in der Region Sopraceneri musste letztes Jahr 11 Frauen aufgrund von Platzmangel an andere Einrichtungen verweisen. (11)

Jura

Im Kanton Jura stiegen die Zahlen häuslicher Gewalt in den letzten Jahren massiv. 2025 wurden 293 Fälle registriert. (12) Bei häuslicher und sexualisierter Gewalt müssen wir zudem von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgehen.


Der Kanton Jura hat bisher geäussert, dass ein Frauenhaus aus finanziellen Gründen nicht möglich ist. Stattdessen stellt der Kanton eine Wohnung und ein Zimmer in einer bestehenden Einrichtung. Diese Angebote sind zwar wichtig, erfüllen aber die Bedürfnisse der Betroffenen nicht ausreichend, wie der Kanton Jura selbst zugibt. (13)

 

Ein Frauenhaus ermöglicht eine Betreuung durch professionell geschulte Mitarbeitende, fixe Unterbringungsmöglichkeiten statt Unsicherheiten und den Austausch zwischen Betroffenen.

 

In anderen Kantonen wird klar aufgezeigt, wie Projekte der Frauenhäuser die Frauen und ihre Kinder dabei unterstützen, sich ein neues Leben aufzubauen und Anschlussmöglichkeiten zu finden. Viele Betroffene sind besonders froh, nicht alleine zu sein mit ihren Ängsten und Sorgen.

Empfehlungen der SODK

Die Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren wurde gegründet, um die Sozialpolitik der Kantone zu koordinieren und die Zusammenarbeit zu stärken.

 

Dazu gehört auch die Umsetzung der Istanbul Konvention, die die Schweiz 2017 ratifiziert hat. 

 

Die SODK hat 2021 einen Bericht zur Finanzierung von Frauenhäusern und Ausgestaltung von Anschlusslösungen veröffentlicht. Darin spricht sie 11 Empfehlungen für die Kantone aus, unter anderem zum Beispiel zur Finanzierung oder zur Auslastung. (7)

 

Ein Frauenhaus sollte durchschnittlich nicht zu mehr als 75% ausgelastet sein, um auch in hohen Auslastungsmomenten trotzdem für Notfälle aufnahmebereit zu sein.

Kantonale Kampagnen von Campax

Mit Petitionen in drei Kantonen aller Sprachregionen setzen wir uns für eine Verbesserung der Finanzierung der Frauenhäuser in Graubünden und im Tessin ein. Im Jura fordern wir den Aufbau eines eigenen Frauenhauses.

Gleichzeitig arbeiten wir mit Parlamentarier*innen zusammen, um die Verankerung der Finanzierung der Frauenhäuser auf politischer Ebene voranzutreiben.

 

Die grundlegende Finanzierung der Frauenhäuser muss gesetzlich festgelegt werden.

 

Ansonsten sind die Frauenhäuser jedes Mal wenn ein neuer Leistungsvertrag ausgehandelt wird damit konfrontiert, ihr grundlegendes Budget verteidigen zu müssen.

Frühere Campax Kampagnen

Mit einer grossen Plakataktion gegen Feminizide und der Petition „Sägs wies isch“ forderten wir die statistische Erfassung und kontextuelle Ermittlung zu Feminiziden.

 

Im Rahmen der 16 Tage haben wir auf psychische Gewalt aufmerksam gemacht und die Gewalterfahrungen von Frauen und queeren Menschen mit Behinderungen sichtbar gemacht.

 

Geschlechtsspezifische Gewalt ist seit langem ein Thema. So haben wir eine Kampagne an Männer gerichtet, um sie im Kampf gegen geschlechtsspezifische Gewalt als Unterstützer zu sensibilisieren:

Als letztes Jahr mit 8 Feminiziden in 8 Wochen begann, haben wir sofort reagiert: Gemeinsam mit Brava und den SP Frauen fordern wir 350 Mio. für die Sicherheit der Frauen. Im Zuge der Kampagne sassen wir mit Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider am Tisch und konnten unsere Forderungen noch einmal direkt deponieren.

 

Im Juli machten wir im Rahmen der EM der Frauen Sexismus im Fussball sichtbar und organisierten eine Banneraktion im Stadion.

 

Immer wieder laden wir Fachpersonen zu Webinaren ein, um unserer Community solche wichtigen Inhalte zugänglich zu machen. Im Juli letzten Jahr durften wir Agotha Lavoyer begrüssen, Expertin zum Thema geschlechtsspezifische und sexualisierte Gewalt. Eindrücklich zeigte sie uns einmal mehr die Vielschichtigkeit des Themas aus und beleuchtete die sogenannte Rape Culture, die massgeblich dazu beiträgt, dass Gewalt an Frauen aktueller ist denn je.