Credit Suisse GV: Die Titanic auf dem Paradeplatz

Zürich, 30.4.2022. Heute Morgen haben Aktivist:innen von Collectif BreakFree, Collective Climate Justice und Campax anlässlich der Generalversammlung der Credit Suisse auf die zahlreichen Skandale, in welche die Grossbank über die letzten Jahre verwickelt war, aufmerksam gemacht. Mit einem 8 Meter grossen Schiff und einem «Eisberg» aus fossilen Energien brachten sie ihre Botschaft bildstark auf den Paradeplatz vor den Hauptsitz der Credit Suisse.

Während der Generalversammlung der Credit Suisse kam es heute Morgen zu einer Überraschung. Ein dutzend Aktivist:innen installierten auf dem Zürcher Paradeplatz vor dem Hauptsitz der Grossbank ein 8 m grosses Schiff, welche symbolisch in einen «Eisberg» aus fossilen Energien fuhr. «Die Credit Suisse ist auf dem Weg der Titanic. Sie kracht in den Eisberg aus Gier, Klimakatastrophe und den damit verbundenen Menschenrechtsverletzungen. Die Krise, in der sie sich befindet, ist das Ergebnis einer Kultur des Profits um jeden Preis, der extremen Risikobereitschaft und der Unredlichkeit, die bereits mehrfach unter Beweis gestellt wurde. Diese Kultur erklärt auch die Auflösung der Nachhaltigkeits- und Forschungsabteilung der Bank sowie ihre Abhängigkeit von Kohle, Öl und Gas. Das Geschäftsmodell der Credit Suisse ist gescheitert: Es basiert auf Ausbeutung und Wachstum und hat in einer klimagerechten Welt keine Zukunft mehr», beschreibt Myriam Grosse, Pressesprecherin des Collectif BreakFree, die Aktion.

Medienkontakte:

Videos – Vimeo: https://vimeo.com/user/65141779/folder/10140797
Bilder – Flickr: https://flic.kr/s/aHBqjzMrfZ

Milliarden für die Klimakrise und keinerlei Einsicht – Hintergrund

Mit einem Gesamtfinanzierungsvolumen von fast 90 Milliarden seit 2015 gehört die Credit Suisse zu den 20 weltweit führenden Banken, die den Sektor der fossilen Brennstoffe unterstützen, obwohl ihr Management die internationale Initiative Net Zero 2050 unterzeichnet hat. Ihre Finanzierungspolitik beeinträchtigt die Lebensbedingungen vieler Gemeinden in den Abbaugebieten, verursacht grosse Umweltschäden und verschlimmert die Klimakatastrophe. Die Credit Suisse ist einer der Hauptakteure bei der Finanzierung von Unternehmen, die im texanischen Permian Basin oder im argentinischen Vaca Muerta Schiefergas fördern.

An der diesjährigen Generalversammlung können die Aktionäre zum ersten Mal über die Klimabemühungen der Bank abstimmen. Elf institutionelle Anleger, darunter mehrere große Schweizer Pensionskassen, haben eine Resolution eingereicht, in der sie mehr Transparenz über die Strategie und die Ziele der Bank zur Reduzierung der Finanzierung fossiler Brennstoffe fordern. Die Geschäftsleitung der Bank schlägt vor, die Resolution abzulehnen. „Es erstaunt uns nicht, dass die Credit Suisse einmal mehr die Augen vor ihrer Klimaverantwortung verschliesst und die historische Chance verpasst, als erstes Schweizer Unternehmen eine Klimaresolution zu verabschieden und sich weiterhin auf vage Versprechungen verlässt“, kommentiert Nora Scheel, Campaignerin bei Campax.

Krisen müssen endlich Konsequenzen haben

Während die Bank mit Finanzskandalen wie Archegos und Greensill massive Verluste einfährt und das Vertrauen ihrer Kunden und Aktionäre missbraucht, haben andere Skandale große Auswirkungen. Die illegalen und korrupten Kredite der Credit Suisse im Zusammenhang mit dem Ansturm auf die Gasvorkommen in der Provinz Cabo Delgado waren ein wichtiger Faktor für die Auslösung einer Schuldenkrise in Mosambik. Sie hat 1,9 Millionen Menschen in extreme Armut gestürzt und das Land noch anfälliger für klimabedingte Katastrophen gemacht.

Die im Februar dieses Jahres veröffentlichten Recherchen der #SuisseSecrets sind ein weiteres Beispiel dafür wie die Bank mit Kriegsverbrechen, Geldwäscherei und Korruption unter einer Decke steckt. „Wir fordern nicht nur einen sofortigen Stopp von Investitionen, Krediten und Versicherungen für Projekte und Unternehmen, die in den Bereichen Kohle, Öl und Erdgas tätig sind, Ökosysteme zerstören und die Rechte lokaler Gemeinschaften und indigener Völker verletzen, sondern auch eine Entschädigung in Form von Wiedergutmachung für die Geschädigten, wie die Menschen in Vaca Muerta“, sagt Frida Kohlmann, Sprecherin des Collective Climate Justice.

 

Quellen

1 Credit Suisse, Working Together. Membership of Sustainability Network, https://www.credit-suisse.com/about-us/en/our-company/corporate-responsibility/banking/agreements-memberships.html

2 Die Credit Suisse unterhält enge Geschäftsbeziehungen zum Fracking-Unternehmen Apache, zu Shell (mit Aktien im Wert von 1,2 Mrd. USD) und zu Chevron (Aktien im Wert von 375,65 Mio. USD), die am Fracking-Boom in Texas und Argentinien beteiligt sind. Über die wichtigsten am Vaca-Muerta-Projekt beteiligten Unternehmen: Reclaim Finance, Five Years Lost, Dezember 2021: https://reclaimfinance.org/site/wp-content/uploads/2020/12/FiveYearsLostReport.pdf & über die Unterstützung der Credit Suisse für die Fracking-Industrie im Permian-Becken: https://www.woz.ch/-9872

3 ShareAction, Oil and Gas Expansion a Lose Bet for Banks and their Investors, Februar 2022 https://shareaction.org/reports/oil-gas-expansion-a-lose-lose-bet-for-banks-and-their-investors

4 Centro De Integridade Publica / Center for Public Integrity, Costs and Consequences of the Hidden Debt Scandal of Mozambique, Report, Mai 2021, S. 7: https://www.cmi.no/file/4442-Costs-and-consequences-of-the-Hidden-Debt-FINAL.pdf

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